Sissachertagung
Sissachertagung 2026
Die diesjährige Sissachertagung findet am 29. August 2026 um 8.15 Uhr statt.
Seminarort: Landwirtschaftliches Zentrum Ebenrain in Sissach mit anschliessendem Apéro im Schloss Ebenrain.
Es empfiehlt sich eine frühzeitige Anmeldung.
Weitere Informationen / Buchung:
Kinder und Jugendliche in der Sozialhilfe - Armut verstehen, Entwicklungschancen sichern, Praxis stärken
Kinder und Jugendliche sind in der Sozialhilfe besonders häufig vertreten und tragen die Folgen familiärer Armut in ihrem Alltag – etwa bei Wohnen, Bildung und sozialer Teilhabe. Die neue Studie des Büro BASS im Auftrag der Charta Sozialhilfe Schweiz zeigt, dass die aktuell ausgerichteten Leistungen die materielle Situation von Kindern und Jugendlichen nur teilweise absichern und kinderspezifische Bedürfnisse nicht immer ausreichend berücksichtigt werden. Darauf aufbauend stellt sich die Frage, wie sich Armut auf die Entwicklungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen auswirkt und welche präventiven sowie systemischen Ansätze hier wirksam unterstützen können.
An der Tagung werden zuerst die zentralen Ergebnisse der Studie vorgestellt. Anschliessend zeigt ein fachlicher Input, wie Armut aus system- und präventionstheoretischer Perspektive Entwicklungsverläufe beeinflusst. Abschliessend berichten die Familien- und Jugendberatung Birseck (FJB) und die Schulsozialarbeit Münchenstein aus der Praxis im Kanton Basel-Landschaft: welche Herausforderungen begegnen ihnen im Alltag, welche Unterstützungsstrategien haben sich bewährt und wo besteht politischer und fachlicher Handlungsbedarf?
Der Abschluss bildet ein Podiumsgespräch mit den Referierenden sowie einem Mitglied einer Sozialhilfebehörde des Kantons Basel-Landschaft. Gemeinsam diskutieren sie, welche Konsequenzen au den Studienergebnissen gezogen werden sollten, wie Unterstützungsmöglichkeiten und Teilhabechancen besser gesichert werden können und welche nächsten Schritte in Politik, Verwaltung und Praxis benötigt werden.
Im Anschluss an die Referate der Fachpersonen wird das Thema am Podium diskutiert.
Eingangsreferat
Das Referat von Prof. Dr. Peter Mösch Payot, Professor für Sozialrecht Hochschule Luzern, Bern, u. a. Mitglied der Sozialhilfebehörde der Stadt Bern und Berater von Kantonen, Gemeinden und Institutionen in Sozialrechts- und Sozialhilferechtsfragen lautet: "Kinder und Jugendliche in der Sozialhilfe: Grundlagen, Lücken, rechtliche Entwicklung". Er wird uns die die Studie des Büro BASS vorstellen und auf folgende Fragestellungen eingehen:
- Was ist die Definition von Armut
- Wie wurden die Kinder und Jugendliche in der Studie definiert (Alter, Familiensituation, Aufenthaltsstatus)?
- Welche drei zentralen Ergebnisse der Studie sollten Sozialhilfebehörden und Politik sofort zum Handeln veranlassen und warum?
- Wo sehen Sie die grössten Lücken der heutigen Sozialhilfeleistungen im Hinblick auf kinder- und jugendspezifische Bedürfnisse (z. B. Bildung, Freizeit, Gesundheit)?
- Wie könnte man die Erkenntnisse der Studie in kantonalen und kommunalen Richtlinien konkret verankern?
- Welche Empfehlungen der Studie halten Sie für kurzfristig umsetzbar und wie?
- Welche Empfehlungen der Studie erfordern strukturelle Reformen?
Referate
Prof. Dr. Martin Hafen, Sozialarbeiter (HFS) und Soziologe (Dr. phil.), ehemaliger Dozent an der Hochschule Luzern - Soziale Arbeit beschäftigt sich mit folgenden Fragestellungen:
- Wie erklärt die systemtheoretische Perspektive, dass Armut Entwicklungsverläufe von Kindern und Jugendlichen langfristig prägt
- Welchen Einfluss hat der Bildungsstand der Eltern?
- Wie hoch sind die Bildungschancen von Kindern armer Eltern, und wenn sie klein sind, warum?
- Welche präventiven Ansätze sehen Sie als besonders wirksam an, um Armutsspiralen zu durchbrechen?
- Wo liegen die wichtigsten Schnittstellen zwischen Sozialhilfe, Schule, Gesundheitswesen und Kinder-/Jugendhilfe aus präventionstheoretischer Sicht?
- Können Sie ein oder mehrere Beispiel/e nennen, wo systemische Prävention im Kindesalter spätere Sozialhilfebezüge reduziert hat/haben oder reduzieren könnte/könnten?
Marinka Hennecke, Schulsozialarbeiterin der Gemeinde Münchenstein und Rolf Messmer, Kinder- und Jugendtherapeut, Jugendberatung Birseck (FJB) nehmen folgende Fragen auf:
- Welche typischen Belastungslagen erleben Sie bei Familien in der Sozialhilfe – insbesondere mit Blick auf die Kinder?
- Welche Unterstützungsstrategien haben sich in der Praxis der FJB als besonders alltagstauglich und nachhaltig erwiesen?
- Wo stossen Sie in der Zusammenarbeit mit Sozialdiensten oder Schulen an strukturelle Grenzen?
- Was würden Sie sich von Politik und Verwaltung wünschen, um die präventive Arbeit mit armutsbetroffenen Familien zu stärken?
- Welche Formen von Armutsfolgen werden im Schulalltag am häufigsten begegnet (z. B. Ausschluss, Leistungsdruck, Scham)?
- Wie wird Armut mit Kindern und Eltern in der Schulsozialarbeit angesprochen, ohne die Betroffenen zu stigmatisieren?
- Welche Angebote oder Projekte der Schulsozialarbeit haben sich als besonders wirksam erwiesen, um Teilhabechancen zu verbessern?
- Wo sehen Sie akuten Handlungsbedarf im Zusammenspiel von Schule, Sozialhilfe und Eltern – gerade im Hinblick für Jugendliche im Übergang in die Berufswelt?
Podium
Es diskutieren die Referierenden untereinander und mit dem Publikum.
- Peter Mösch
- Martin Hafen
- Ralf Messmer
- Marinka Hennecke
- Urs Künti, Präsident der Sozialhilfebehörde Reinach
Moderation: Cornela Kazis, Redakteurin bei Radio SRF 1 und 2, Journalistin, Referentin, Moderatorin, Erwachsenenbildnerin und Autorin.