Sozialhilfeforum 1

Motivation versus Sanktionen

Ungefähr 60 interessierte Personen durfte der VSO zu diesem aktuellen Thema begrüssen. Zu Beginn stellten Fabienne Schöb und Laura Stierlin ihre Studie «Begründungen sanktionierender Massnahmen in der Sozialhilfe» vor. Die Studie, welche im Kanton Bern durchgeführt wurde, zeigt auf, dass die erhofften Wirkungen von Sanktionen in der Praxis nicht mit den effektiven Wirkungen übereinstimmen. Anstatt den Klienten «wachzurütteln», eine Arbeitsintegration und Aktivierung zu bewirken und im besten Fall Geld einzusparen, wird bei sanktionierenden Massnahmen die Arbeitsbeziehung zwischen Klient und Sozialarbeitendem belastet. Damit erhöht sich der Arbeitsaufwand für Sozialarbeitende, zudem besteht die grosse Gefahr, dass der Klient sich (weiter) verschuldet oder in die Illegalität abrutscht (Diebstahl, heimliche Erwerbsarbeit). Sanktionen werden daher in der Praxis nach Möglichkeit vermieden.

Im Anschluss informierten uns Raphael Golta, Sozialvorsteher Stadt Zürich und Urs Leibundgut, Direktor Soziale Einrichtungen und Betriebe der Stadt Zürich über die Systemumkehr in der Arbeitsintegration. Die neue Strategie beruht auf den Erkenntnissen, dass sich die Chancen für Geringqualifizierte auf dem ersten Arbeitsmarkt nur durch Qualifikation verbessert lässt und die Akzeptanz, dass man nicht alle Klienten in den Arbeitsmarkt zurückbringen kann. Zudem ist Motivation aus eigenem Antrieb zentral für den Erfolg. Auf dieser Grundlage wurde ein Raster für eine Zielgruppeneinteilung ausgearbeitet. Für jede der vier Zielgruppen gibt es unterschiedliche Angebote, je nach Fähigkeiten und Ressourcen der Sozialhilfebezüger sind diese näher am ersten Arbeitsmarkt oder näher an einer Beschäftigung. Die Abklärungsphase im ersten Monat ist zwingend, danach ist die Teilnahme weitgehend freiwillig. Die ersten Ergebnisse aus der Praxis zeigen auf, dass sich die Freiwilligkeit bewährt. Nahezu alle Klientinnen und Klienten treten nach der ersten Abklärungsphase (Basisbeschäftigung) in ein Beschäftigungsangebot der Arbeitsintegration, eine Qualifizierungsmassnahme oder in die Stellenvermittlung ein. Es gibt trotz Freiwilligkeit keinen Einbruch bei den Teilnehmerzahlen. Die Arbeitsweise «ermöglichen – befähigen – motivieren» statt Verpflichtung und Zwang bei aussichtslosen Fällen scheint meistens zu funktionieren.

Präsentation Fabienne Schöb und Laura Stierlin hier

Präsentation Raphael Golta und Urs Leibundgut hier