Sissachertagung 2019

Digitalisierung - Auswirkungen auf die Sozialhilfe?

„Digitalisierung überfällt uns nicht einfach, sondern wir alle als Gesellschaft gestalten sie mit“. Dies war einer der ersten Sätze von Jakub Samochowiec, Senior Researcher und Sozialpsychologe am Gottlieb Duttweiler Institut an der Sissachertagung des Verbandes für Sozialhilfe, welche am letzten Samstag im Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach stattfand. Der Trendforscher macht deutlich, dass in Zukunft nicht alle Arbeiten automatisiert werden, sondern nur diejenigen, die sich lohnen und möglich sind. So wurden z. B. seit 2014 einiges mehr an Arbeitsplätzen in den Bereichen Gesundheit und Betreuung geschaffen, als die Jahre davor. Die Sorge, dass nur noch hochqualifizierte Jobs in Zukunft gefragt werden, ist ebenfalls unbegründet. Sehr oft generiert jemand, der einen hochqualifizierten, zeitintensiven Job ausübt, eine Arbeitsstelle für eine Reinigungskraft, einen Gärtner etc. Vorstellbar ist, dass die Menschen zukünftig nicht nur eine Arbeit haben, sondern mehrere gleichzeitig und eher projektbezogen arbeiten, ihr Wissen und Können zur Verfügung stellen, und nicht bei einem Arbeitgeber angestellt sind. Als zweite Referentin informierte Daniella Lützelschwab, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiterin Ressort Arbeitsmarkt und Arbeitsrecht beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, über die Anforderungen der Arbeitgeber an die Arbeitnehmenden der Zukunft. Sie macht deutlich, dass die Digitalisierung selber einiges an Arbeitsplätzen generiert, dies zeigt die Entwicklung der letzten 20 Jahren. Die Veränderungen der Erwerbstätigkeit zwischen 1996 und 2017 zeigen, dass vor allem Arbeitsstellen für Berufe mit mittlerer Qualifikation, wie z. B. Bürokräfte, Fachkräfte in der Landwirtschaft und Handwerkerberufe zurückgegangen sind. Arbeitsstellen, für die hohe Qualifikationen erforderlich sind, zeigen eine starke Zunahme, aber auch Berufe, für die eine tiefe Qualifikation ausreicht, nahmen zu. Für die Arbeitnehmer ist Flexibilität, mit unbekannten Herausforderungen umgehen zu können, Lernfähigkeit und die Bereitschaft, sich in einem dynamischen Arbeitsmarkt zu bewegen und anzupassen, zentral. „Lebenslanges Lernen“ ist unabdingbar. Dies ist in erster Linie die Verantwortung jedes einzelnen, die Unternehmen sollten die Arbeitnehmer darin aber so gut wie möglich unterstützen, was bereits in einem hohen Mass geschieht. Chantal Beyeler, Fachexpertin und Organisationsberaterin geht in ihrem Referat auf die Chancen und Risiken der Digitalisierung für die Arbeitnehmenden ein. Mehr Freiheiten und Handlungsspielraum, bessere Vereinbarkeit verschiedener Lebensbereiche, besserer Zugang und Austausch von Wissen sind einige Chancen, dagegen sind Informationsflut, Beschleunigung, Zeitdruck, Arbeitsplatzverlustrisiko, die Gefahr der Überforderung, Stress, Erschöpfung etc. Risiken, die nicht zu unterschätzen sind. Hier sind die Arbeitgebenden stark in die Pflicht zu nehmen, die Ihre Mitarbeitenden bei den neuen Anforderungen unterstützen müssen. Vor allem bei älteren Arbeitnehmenden muss auf die Lernweise und die Gesundheit Rücksicht genommen werden.
Während der anschliessenden anregenden, und von einigen Lachern gespickte Podiumsdiskussion, wurden aus dem Publikum interessante Fragen zu Arbeitsmöglichkeiten von Sozialhilfebeziehenden im digitalen Zeitalter gestellt. Dabei führte Jakub Samochowiec die Idee aus, dass sich mit dem zur Verfügung stellen der eigenen Daten Geld verdienen liesse. Daniella Lützelschwab macht darauf aufmerksam, dass die Arbeitgeber oftmals keinen Ansprechpartner haben, wenn einer ihrer Arbeitnehmenden die Stelle verliert. Sie würden Hand bieten für eine Lösung, wissen aber nicht, an wen sie sich wenden sollen. Nach dem Stellenverlust bezieht ein Arbeitsloser zwei Jahre lang Arbeitslosentaggelder, danach Sozialhilfe. Diese Zeit ist viel zu lang, um für Arbeitslose eine gute Lösung zu finden. Hier müsste viel schneller gehandelt werden können. Chantal Beyeler betont nochmals das lebenslange Lernen jedes Einzelnen sowie die Verantwortung der Arbeitgeber den Arbeitnehmenden gegenüber in Bezug auf Weiterbildungsmöglichkeiten und gesundes Älterwerden im Betrieb.

RR Dr. Anton. Lauber, Carole Seeberger, SHB Laufen, lic. iur Daniella Lützelschwab (v.l.n.r)

  

Jakub Samochowiec

Chantal Beyeler

 

Das Referat von Jakub Samochowiec finden Sie hier

Das Referat von Daniella Lützelschwab finden Sie hier

Das Referat von Chantal Beyeler finden Sie hier

Neue Kurse und Weiterbildungen

Der VSO-BL bietet seinen Mitgliedern auch 2019 wiederum ein interessantes Angebot an zielgerichteten Fortbildungen und Tagungen an.

Damit Sie sich die Daten bereits vormerken können, finden Sie die Anlässe mit Daten, Zeiten und Durchführungsorten in untenstehender Tabelle. Zu den Details sowie den Anmeldemöglichkeiten folgen Sie bitte dem Link in der rechten Spalte des jeweiligen Angebots.

Kursprogramm 2019

Weiterbildungsmodul 1

Amt für Migration

Freitag, 20. September 2019

13.30 - ca. 17.00 Uhr

Coop Tagungszentrum, Muttenz

Detailinformationen und Anmeldemöglichkeit hier

Sozialhilfeforum 2

Mittwoch, 6. November 2019

19.30 Uhr

Mehrzweckhalle Rübmatt, Hölstein

Detailinformationen hier
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich

Weiterbildungsmodul 2

Basiswissen Sozialhilfe Teil 1:  Subsidiarität in der Sozialhilfe

Freitag, 8. November 2019

13.30 - ca. 17.00 Uhr

Coop Tagungszentrum, Muttenz

Detailinformationen und Anmeldemöglichkeit hier

Weiterbildungsmodul 3

Invalidenversicherung

Freitag, 15. November 2019

13.30 - ca. 17.00 Uhr

Coop Tagungszentrum, Muttenz

Detailinformationen und Anmeldemöglichkeit hier

Weiterbildungsmodul 4

Basiswissen Sozialhilfe Teil 2:  Rechtliches  Basiswissen

Freitag, 22. November 2019

13.30 - ca. 17.00 Uhr

Coop Tagungszentrum, Muttenz

Detailinformationen und Anmeldemöglichkeit hier

Weiterbildungsmodul 5

Gute Sozialarbeit

Freitag, 29. November 2019

13.30 - ca. 17.00 Uhr

Coop Tagungszentrum, Muttenz

Detailinformationen und Anmeldemöglichkeit hier